
Wie Vier junge Mädchen den Grundbaustein für den Pferdegnadenhof legten
Alles begann im Jahr 1985. Wir waren vier junge Mädchen und wollten ein neues zu Hause für unsere Pferde! Wir waren im alten Stall einfach nicht mehr zufrieden. Wir wollten neue Ideen einbringen und die Pferde besser versorgen. Im November 1985 gaben wir eine Anzeige im Hamburger Abendblatt auf, daraufhin meldete sich der Stallverwalter der Bismarck’s bei uns. Er glaubt, er hätte für uns etwas passendes. An dem Tag, als wir uns den Stall anschauen wollten, verstarb meine Oma. Ich hatte gerade eine Ausbildung angefangen und habe mein Fahrrad immer bei ihr gelassen. Sie wohnte auf der Hälfte des Weges zwischen U-Bahn und meinem Zuhause. Als ich nach der Ausbildung nach Hause kam, war die Tür von meiner Oma versiegelt. Ich musste zur Polizei, meine Eltern waren auf Gran Canaria und es war alles total schrecklich und ich konnte nicht mitfahren, um mir den Stall anzuschauen. Die Mädchen riefen abends an und waren total begeistert und meinten: da gehen wir auf alle Fälle hin, dass ist total schön dort! Wenn du mitkommst, darfst du dir auch die schönste Box aussuchen. Und so ist es gekommen, dass wir am 1.12.1985 den Stall wechselten. An dem Tag war ein furchtbares Glatteis und es gab die neue Umgehungsstraße noch nicht. Unser Fahrer hat dann die Pferdeanhänger oben am Holzhof geparkt und wir mussten mit den Pferden den Spazierweg seitlich an der Hirschkoppel nach unten gehen. Alles sehr abenteuerlich. Damals war es so, dass der Stallverwalter morgens rüber und hat unsere Pferde gefüttert, hat gewartet bis sie aufgefressen haben, dann die Türen aufgemacht und die Pferde konnten den ganzen Tag rein und raus. Abends kam Franz noch mal, hat wieder gefüttert und dann war Nachtruhe.
„Und wie es so ist im Laufe des Lebens junger Mädchen verändert sich vieles und geblieben bin nur noch ich…“

Es gab dann immer mal Versuche, neue Einsteller bei mir aufzunehmen, dass ist aber immer gescheitert. Es passte einfach nicht oder die Idealvorstellung gingen auseinander. Irgendwann fragte mal meine Tierärztin, ob ich nicht ein Pferd aufnehmen könnte! Ich hätte ja genügend Platz… Diesem Pferd ging ganz ganz schlecht. Gesagt – getan und irgendwie sprach sich das unter den Tierärzten rum. Irgendwann trat auch der Tierschutz an mich ran und fragte, ob ich ein Pferd übernehmen könnte. Man hätte ja meist nur Platz für Hunde und Katzen und irgendwie wurde meine Telefonnummern unter der Hand weitergegeben und so sind wir langsam und stetig gewachsen. Mit teilweise sehr unterschiedlichen Schicksalen. Diese sind alle nachzulesen in den Einzelportraits unserer Pferde.
„Es entstand ein Zuhause für Ausrangierte…“

Die Ställe und Weiden unserer Schützlinge sollen ein Zuhause zum Wohlfühlen sein für Pferde, die endgültig ausrangiert wurden. Schönheit, Rasse, Alter, Farbe, Größe, Ausbildung, Schnelligkeit, Klugheit und Verdienste spielen jetzt keine Rolle mehr. Unsere Pferde leben hauptsächlich im Offenstall; bei Bedarf und für Sonderfälle stehen auch Boxen zur Verfügung. Die Pferde dürfen in artgerechter Herdenhaltung in ihren selbstgewählten Freundesgruppen und bei Bedarf mit individueller Versorgung nach jeglicher „Karriere“ einen schönen Lebensabend verbringen. Immer wieder werden Pferde mit kaltem Egoismus abgeschoben oder gar zum Metzger gebracht, wenn sie nicht mehr genug Leistung bringen oder ihrem Besitzer lästig werden. Noch immer wird bedenkenlos drauflos gezüchtet, obwohl man weiß, dass gar keine Abnehmer für so viele Fohlen vorhanden sind. Sogenannte Fohlenhöfe lassen Fohlen als eine Art lebendes Spielzeug für die kleinen Besucher in die Welt setzen und entsorgen die Tiere, wenn die Feriensaison vorbei ist. Ebenso abgeschafft werden viele Sportpferde, die ihrem Besitzer keine Erfolge bringen.
„Wir lieben unsere Pferde!“

Wir können vor dieser harten Realität nicht die Augen verschließen und dürfen uns nicht davon entmutigen lassen, dass unsere Arbeit nicht viel mehr ist als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Wir werden weiter zum Wohle der Pferde alles tun, was in unserer Macht steht. Ist es auch wenig, so wollen wir dieses Wenige mit Freude tun, auch wenn wir als weltfremde, sentimentale Spinner verlacht werden und uns die Sorge um das nötige Geld für unsere Tiere oft nicht schlafen lässt. Der Anblick der zufrieden weidenden Herden gibt uns Kraft zum Weitermachen. Ohne die Pferde wäre unser Leben bequemer, aber auch viel ärmer!





